Stichprobenkonzepte

Festnetz und Mobilfunk kombiniert

Die Dual-Frame-Stichprobe

Eine neuere Herausforderung stellen Haushalte dar, die nur noch über Mobilfunkanschlüsse, nicht aber über einen Festnetzanschluss verfügen (sogenannte „Mobile-Onlys“). Das Dual-Frame-Verfahren ermöglicht es, auch diese Teilgruppe in einer Stichprobe zu berücksichtigen.

Mobile Onlys haben bei einer Ziehung aus dem Festnetzauswahlrahmen keine Inklusionswahrscheinlichkeit. Nach neueren Erhebungen betrifft dies mindestens 13 Prozent der Bevölkerung und mindestens 18 Prozent der Haushalte. Da sich diese Haushalte in ihrer Zusammensetzung von denen mit Festnetz deutlich unterscheiden, handelt es sich also um ein systematisches Coverage-Problem, das für viele Untersuchungen nicht ignoriert werden kann.

Die Lücke wird durch eine zusätzliche Mobilfunkstichprobe aus synthetisch generierten Mobilfunknummern geschlossen. Ein Auswahlrahmen dafür wird ebenfalls von der Arbeitsgemeinschaft ADM-Telefonstichproben zur Verfügung gestellt. Auch bei den Mobilfunknummern handelt es sich um generierte Nummern, denn nur die wenigsten Mobilnummern sind in einem Verzeichnis gelistet.

Bei diesem Dual Frame-Ansatz erfolgt die Ziehung also nicht aus einem, sondern aus zwei Frames bzw. Auswahlrahmen, die zusammen die Population vollständig abdecken: Einer mit Telefonnummern ausschließlich aus dem Festnetz und der andere mit Nummern des Mobilfunks. Für die Zusammenführung der beiden Stichproben ist anschließend eine geeignete Designgewichtung notwendig.

Lediglich der verschwindend geringe Anteil der Personen, die weder einen Festnetzanschluss, noch ein Mobiltelefon haben, kann bei diesem Ansatz nicht in die Stichprobe gelangen. Die beiden Stichproben lassen sich in Anlehnung an das von Häder/Gabler vorgeschlagene Verfahren grundsätzlich wie jede Stichprobe aus zwei Frames zusammenführen.

Eine Herausforderung beim Dual-Frame-Ansatz ist das Mischungsverhältnis der beiden Stichproben. Also die Frage, wie hoch der Anteil der Mobilfunknummern und der Festnetznummern sein muss. Hier zeigen ausführliche Simulationsrechnungen mit unterschiedlichen Gewichtungsmodellen zur Zusammenführung der beiden Stichproben, die infas durchgeführt hat, dass es ein optimales Mischungsverhältnis in der realisierten Stichprobe gibt, bei dem die Gewichtungsfaktoren (Designgewichte) die geringste Varianz und die Gewichte die höchste Effektivität haben. Unter Kostengesichtspunkten sind alternative Mischungsverhältnisse denkbar, bei denen die Zunahme der Varianz der Gewichtungsfaktoren und mithin die Steigerung des Stichprobenfehlers vergleichsweise gering sind.

Für die meisten Studien ist heute der Dual-Frame-Ansatz bei der Stichprobe geboten. Nur mit ihm kann gewährleistet werden, dass alle Bevölkerungsteile in der Stichprobe berücksichtigt werden. infas hat in Zusammenarbeit mit dem ADM mit darauf hingewirkt, dass das Dual-Frame-Verfahren wissenschaftlich getestet ist und sich zunehmend in der Markt- und Sozialforschung etabliert.