Lohnt sich ein CAWI-Follow-Up für Face-to-Face?

Eine Frau sitzt mit Laptop auf dem Sofa und füllt einen Online-Fragebogen aus.

Erste Ergebnisse aus der IAB‑BAMF‑SOEP-Befragung von Geflüchteten

Mit der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten werden seit 2016 fortlaufend Informationen zu Geflüchteten in Deutschland erhoben. Befragt werden dabei Haushalte aus vielen verschiedenen Herkunftsregionen, darunter dem Nahen Osten, Afrika und zuletzt verstärkt auch der Ukraine. Methodisch wird das Panel primär als Face-to-Face-Erhebung (F2F) durchgeführt: Die Haushalte werden vor Ort durch Interviewerinnen und Interviewer befragt. Um die Ausschöpfung innerhalb der Haushalte zu erhöhen, gab es für Befragte zusätzlich die Möglichkeit, selbstadministriert ihren Fragebogen zu beantworten – entweder auf einem Tablet vor Ort (CASI) oder als Online-Befragung (CAWI).

Als eine ausschöpfungssteigernde Maßnahme auf Haushaltsebene wurde 2024 erstmals auch ein CAWI-Follow-Up für im Face-to-Face-Feld nicht realisierte Haushalte erprobt. Diese wurden im Anschluss an die Face-to-Face-Kontaktierung postalisch eingeladen, die Befragung komplett online durchzuführen. Ziel war es, die Nonresponse-Quote zu reduzieren und dadurch die Panelstabilität insgesamt zu erhöhen. Insbesondere sollten damit selektive Ausfälle aufgrund von Nicht-Erreichbarkeit im Face-to-Face-Feld reduziert werden.

Im Feldzeitraum von Mai bis November 2024 wurden 7.470 Haushalte kontaktiert. Zur Steigerung der Teilnahme kamen bereits in der Face-to-Face-Phase eine Reihe von Feldmaßnahmen zum Einsatz, wie etwa Erinnerungsschreiben und die Bitte zur Aktualisierung von Kontaktdaten. Insgesamt konnten dadurch 4.061 Haushalte in dieser Face-to-Face-Phase realisiert werden. Daneben verzeichnete das Feld 1.553 sogenannte weiche Verweigerungen, also temporäre Ablehnungen, sowie 616 nicht erreichte Haushalte, bei denen trotz wiederholter Versuche kein persönlicher Kontakt zustande kam. Die Teilnahmebereitschaft unterschied sich dabei zum Teil deutlich zwischen verschiedenen Gruppen: Ukrainische Geflüchtete etwa beteiligten sich überdurchschnittlich häufig an der Befragung, während türkische Haushalte sowie Haushalte mit jüngeren Haushaltsvorständen geringere Responseraten aufwiesen.

Im Anschluss an die Face-to-Face-Phase wurden die weichen Verweigerer sowie die nicht erreichten Haushalte gezielt zur Online-Befragung auf Haushaltsebene eingeladen. Insgesamt wurden im Rahmen des CAWI-Follow-Ups 2.169 Haushalte angeschrieben. Durch diese Maßnahme konnten 310 Haushalte zusätzlich realisiert werden, davon 218 Haushalte aus der Gruppe der weichen Verweigerungen und 92 aus den im Face-to-Face-Feld nicht erreichten Haushalten. In Bezug auf alle im CAWI-Follow-Up eingesetzten Haushalte entspricht dies einer Responserate von 14,3 Prozent. Der Einsatz des CAWI-Follow-Ups erhöhte die Ausschöpfung insgesamt somit um knapp acht Prozentpunkte. Damit zeigt sich, dass ein gezielter Moduswechsel am Ende der Face-to-Face-Phase einen substanziellen Beitrag zur Panelstabilisierung leisten kann.

Nicht nur mehr, sondern auch andere?

Neben der Erhöhung der Ausschöpfung stellte sich aber auch die Frage, ob durch das CAWI-Follow-Up auch Gruppen erreicht werden konnten, die im Face-to-Face-Feld nur schwer zu realisieren waren. Eine Hypothese ist, dass durch die Möglichkeit der selbstadministrierten Online-Befragung jene Haushalte eher an der Studie teilnehmen, die im Rahmen der persönlichen Kontaktierung „keine Zeit“ oder „Interview zu lang“ als Grund für ihre temporäre Absage angegeben haben. Obwohl der CAWI-Modus zeitliche Flexibilität und eine potenziell geringere wahrgenommene Belastung bietet, fand sich hierfür im Ergebnis aber keine Evidenz.

Grafische Darstellung: Effekte auf die Realisierung der Haushalte nach Mode. CAWI punktet bei türkischen Haushalten und Interviewerwechsel. Darstellung der logistischen Regression.

Eine zweite Hypothese ging der Frage nach, ob durch den Einsatz des CAWI-Follow-Ups systematisch andere Gruppen erreicht wurden als durch die persönliche Kontaktierung vor Ort. Wie in der Abbildung dargestellt, fanden sich insgesamt keine großen Unterschiede in den zentralen soziodemografischen Merkmalen, wie Geschlecht, Bildung oder Haushaltsgröße, zwischen den über Face-to-Face und CAWI realisierten Fällen. Gleichzeitig zeigte sich aber, dass CAWI dort punktet, wo die Face-to-Face-Strategie weniger geeignet ist – etwa wenn die Sprachpassung zwischen Interviewer und Haushalt gering ist, wie dies z. B. bei türkischen Haushalten durch deren geringe Fallzahl und breite geografische Streuung öfter der Fall ist. Zudem zeigt sich, dass ein Wechsel der Interviewerin oder des Interviewers im Vergleich zur Vorwelle einen negativen Effekt auf die F2F-Realisierung, nicht jedoch auf die CAWI-Realisierung hat. Somit scheint die Online-Option eine adäquate Strategie zu sein, um in Panels das Ausfallrisiko durch Wechsel von Interviewerinnen bzw. Interviewern zu reduzieren.

Klare Vorteile

In Summe zeigt die Einführung des CAWI-Follow-Ups in der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten einen klaren Mehrwert. Der Moduswechsel führt zu zusätzlichen realisierten Haushalten, die im Face-to-Face-Feld weich verweigert haben bzw. nicht erreicht wurden. Das CAWI-Follow-Up schließt die Lücke bei Passungsproblemen zwischen Interviewenden und Befragten, ohne die soziodemografische Zusammensetzung erkennbar zu verschieben. Somit erscheint das zusätzliche Angebot eines Moduswechsels auf Haushaltsebene ein vielversprechender Weg, um Panelattrition zu begrenzen. Für Mixed-Mode-Panels in mobilen und vulnerablen Populationen ergeben sich daraus klare Implikationen. Face-to-Face bleibt der methodische Anker, CAWI ist die strategische Ergänzung für schwer realisierbare Fälle. Ein segmentiertes Nachfassdesign, das gezielt Haushalte mit Interviewerwechseln oder fehlender Sprachpassung adressiert, kann Nonresponse-spezifische Verzerrungen mindern, ohne neue Selektivitäten zu produzieren. CAWI schafft hier Zugang, wenn die Face-to-Face-Passung – sei es sprachlich oder relational – nicht gegeben ist.

Auf den Zeitpunkt kommt es an

Für die Umsetzung dieses Designs stellt sich dann aber die Frage, zu welchem Zeitpunkt im Befragungsfeld solch eine Maßnahme implementiert werden sollte. Anhand der Analyse der Dauern zwischen dem letzten Face-to-Face-Kontakt und der Versendung der Einladungen zum CAWI-Follow-Up konnte gezeigt werden, dass etwa fünf bis acht Wochen nach dem letzten persönlichen Kontakt günstiger waren als eine frühere oder spätere Versendung. Zusätzlich erhöhen parallele Kontaktierungen per E-Mail – sofern vorhanden – die Responserate, da sich die Teilnahme dadurch deutlich vereinfacht.

Diese Erkenntnisse konnten für die Erhebungswelle 2025 direkt genutzt werden, um die Ausgestaltung des CAWI-Follow-Ups zu optimieren. Neben der Berücksichtigung des idealen zeitlichen Abstands wurden auch zusätzliche Erinnerungen eingesetzt, die ebenso wie die Einladung zur Online-Befragung, wo immer möglich, durch eine E-Mail flankiert wurden. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass dadurch die Ausschöpfung des CAWI-Follow-Ups noch einmal gesteigert werden konnte.

Zum Weiterlesen:
Groves, Robert M., Eleanor Singer, and Amy Corning (2000) Leverage-Saliency Theory of Survey Participation: Description and an Illustration. The Public Opinion Quarterly, 64(3).
Jacobsen, Jannes & Siegert, Manuel (2023) Establishing a Panel Study of Refugees in Germany: First Wave Response and Panel Attrition from a Comparative Perspective. Field Methods, 36(3).

Dieser Beitrag wurde zuerst in Lagemaß 15 „Wandel“ veröffentlicht.