Gesundheit, Versorgung und medizinische Biometrie

Ein Greifkraftmesser

Der infas-Fachbereich stellt sich vor

Im deutschen Gesundheitssystem treffen hohe Anforderungen mit entsprechenden Kostensteigerungen auf gleichzeitig unterproportional steigende Einnahmen und einen zunehmenden Fachkräftemangel. Durch den demografischen Wandel ist für die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine weitere Verschärfung dieser Situation zu erwarten. In einem solchen Spannungsfeld steigt die Bedeutung einer wissenschaftlichen und datenbasierten Grundlage für politische Entscheidungen.

Die Gesundheitsforschung verbindet hierfür Erkenntnisse aus Medizin, Sozialwissenschaften, Pflege, Psychologie und Gesundheitsökonomie, um die komplexen Zusammenhänge zwischen individueller Gesundheit, Versorgung und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verstehen. Ziel ist es, nicht nur Krankheitsursachen zu identifizieren, sondern auch Wege aufzuzeigen, wie Prävention, Diagnostik, Therapie und Versorgung unter wachsendem Kostendruck wirksam verbessert werden können. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei auch der Digitalisierung und den damit verbundenen Chancen zu, den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen.

Als Sozialforschungsinstitut mit umfassenden Erfahrungen in der interdisziplinären Forschung deckt infas ein breites Spektrum an Themen aus der Gesundheitsforschung ab. Unter Berücksichtigung der steigenden Belastungen des Gesundheitssystems liegt hierbei ein Schwerpunkt auf der Prävention und Gesundheitsförderung. Ziel ist es, herauszufinden, wie sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen wirksam darin unterstützen lassen, ihre Gesundheit langfristig zu erhalten. Ebenso wichtig ist die Analyse der Versorgungssituation: Wie können Patienten im Alltag betreut werden und welche Veränderungen sind notwendig, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen und soziale und regionale Ungleichheiten nicht weiter zu verstärken? Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der wachsenden Belastung des Pflegesystems sowohl in stationären Versorgungseinrichtungen als auch bei der Pflege in Privathaushalten.

Die Stärke des infas-Instituts liegt dabei in der Kombination unterschiedlicher methodischer Ansätze, die es ermöglichen, diese komplexen Fragestellungen in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen. So führt infas groß angelegte Bevölkerungs- und Patientenbefragungen durch, die ein präzises Bild von Einstellungen, Verhaltensweisen und Versorgungslagen zeichnen. Mit methodisch anspruchsvollen Panel- und Längsschnittstudien auf Basis von Zufallsstichproben wird sichtbar gemacht, wie sich Gesundheit und Versorgungsrealitäten über die Zeit verändern. Damit wird die Voraussetzung für die Analyse von Kausalitäten geschaffen.

Ergänzend setzt infas auf avancierte Mixed-Methods-Designs. Diese dienen nicht nur dazu, selektive Ausfälle zu verringern und die Aussagekraft der Daten zu erhöhen, sondern sie ermöglichen auch die Kombination von unterschiedlichen Arten von Daten. Klassische Befragungsdaten können somit mit Verfahren der medizinischen Biometrie ergänzt werden. Diese können von selbst administrierten Testverfahren durch die Befragungsperson selbst (z. B. zur SARS-CoV-2-Antikörperbestimmung), über intervieweradministrierte Verfahren, etwa zur Messung der Handgreifkraft, bis hin zu umfassenden gesundheitlichen Untersuchungen, beispielsweise der venösen Blutentnahme, reichen. Um diese Untersuchungen durch medizinisches Fachpersonal anbieten zu können, ist infas seit dem vergangenen Jahr Mehrheitseigner der PI Health Solutions GmbH, Berlin, die über die notwendige Logistik und Erfahrung in diesem spezialisierten Bereich verfügt. Durch die Verbindung von sozialwissenschaftlichen Befragungen und anspruchsvollen Gesundheitsuntersuchungen ergeben sich für unsere Auftraggeber spannende neue Forschungsmöglichkeiten. Zugleich stärken wir unser interdisziplinäres Angebot innerhalb der Unternehmensgruppe.

Zur PI Health Solutions
von Prof. Dr. med. Georg Winterer

Die PI Health Solutions GmbH Berlin (PIHS) bietet Logistiklösungen sowie KI- und Big Data-gestützte Softwarelösungen für öffentliche und private Gesundheitsdienstleister und Gesundheitsorganisationen. Unser derzeitiger Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Implementierung von flexiblen Logistiklösungen zur Durchführung bevölkerungsbasierter und Zielgruppenspezifischer medizinischer Untersuchungen bzw. Testungen, auch in Verbindung mit Befragungen. Hierzu stehen mobile Einsatzteams aus einem Pool von qualifizierten Mitarbeitern (Ärzte, medizinische Fachkräfte, Medizinstudenten) deutschlandweit zur Verfügung. Die Besonderheit: die Durchführung der Untersuchungen kann direkt bei den Zielpersonen zuhause erfolgen. Der Aufwand für die Zielpersonen ist somit deutlich geringer als bei Untersuchungen in zentralen Studienzentren oder Hausarztpraxen. Unter anderem war PIHS im Rahmen der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beauftragten Corona-BUND-Studie für die bundesweite Durchführung von 11.000 Testungen (Blutproben, Rachenabstriche) im Rahmen von Hausbesuchen verantwortlich. PIHS implementierte zuletzt im Auftrag des Robert Koch-Instituts (RKI) eine deutschlandweite Logistik für umfangreiche Testungen (Blutentnahmen mit Vor-Ort-Zentrifugierungen, physiologischen Messungen u.a.) inkl. Kühlkette mit Echtzeit-Tracking der Datenerhebung und des Probentransports. Ein besonders von unseren Kunden geschätztes Merkmal der PIHS ist, dass Projekte in sehr kurzen Zeiträumen durchgeführt und die Daten in kürzester Zeit dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt werden.

Als Full-Service-Institut unterstützt infas seine Auftraggeber jedoch nicht nur in der Datenerhebungsphase, sondern bietet auch (Beratungs-)Leistungen für die Entwicklung von passenden Forschungsdesigns und Evaluationsverfahren. Aufgrund der langjährigen Erfahrung im Umgang mit komplexen (Befragungs-)Datensätzen verfügt infas auch über die notwendige Expertise, umfangreiche Datenmengen unter Anwendung aller etablierten statistischen Analysen auszuwerten und die Ergebnisse entsprechend aufzubereiten sowie konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Diese Expertise erstreckt sich auch auf die Auswertung von Routinedaten aus dem Gesundheitswesen, die aufgrund ihrer Struktur und der Datengröße ganz spezifische Anforderungen mit sich bringen.

Das zentrale Ziel unserer Arbeit ist dabei stets, mit hoher methodischer Qualität und inhaltlicher Relevanz belastbare Erkenntnisse für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung zu liefern und mit innovativen Forschungsansätzen einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesundheitsforschung zu leisten.

Aktuelle Studien

Im Auftrag des Robert Koch-Instituts führt infas Befragungen für die Studienreihe „Gesundheit in Deutschland“ durch. Mit dieser Studienreihe werden kontinuierlich Informationen über den Gesundheitszustand der Menschen erhoben und damit ein wesentlicher Beitrag zum Gesundheitsmonitoring in Deutschland geleistet.
infas hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und der Philipps-Universität Marburg Hausärztinnen und Hausärzte in ganz Deutschland für die Studie „Wie wollen Hausärztinnen und -ärzte zukünftig arbeiten?“ befragt.
Bereits seit 2006 führt infas die gesetzliche Evaluation für die Disease-Management-Programme (DMP) im Auftrag der Allgemeinen Ortskrankenkassen und der Knappschaft durch. Hierfür werden Patientenmerkmale und medizinische Dokumentationsdaten auf Individualebene verknüpft und mittels Quer- und Längsschnittanalysen sowie Ereigniszeitanalysen über einen Messzeitraum von mittlerweile fast …† Jahren systematisch ausgewertet.
Im Auftrag des Bayerischen Zentrums Pflege Digital (BZPD) an der Hochschule Kempten führt infas die „Bayerische Pflegestudie (BPS)“ zum Thema Pflege und Care-Arbeit in Privathaushalten durch.

Zum Weiterlesen:
Torregroza, S., Eibelhäuser, S. (2024): Biologische Daten in der Sozialwissenschaft. Lagemaß Nr. 14, S. 22-23, infas
infas-Webseite: Gesundheit, Versorgung und medizinische Biometrie. www.infas.de/forschung-gesundheit-versorgung/

Dieser Beitrag wurde zuerst in Lagemaß 15 „Wandel“ veröffentlicht.