Verkehr und Mobilität

infas mobility – Mobilität per Smartphone erfassen

Mobilität und Verkehr befinden sich im ständigen Wandel. Um diese Veränderungen mit Zahlen zu beschreiben, ist die kleinräumliche Erfassung von Mobilitäts- und Verkehrsdaten erforderlich. infas forscht an neuen Lösungen, um diesen Herausforderungen mit innovativen Ansätzen zu begegnen und setzt diese gezielt in Projekten ein. Das Smartphone steht dabei im Mittelpunkt.

Das Smartphone ist unser ständiger Alltagsbegleiter geworden. Viele alltägliche Tätigkeiten sind ohne das Smartphone kaum zu erledigen, deshalb trägt man es (fast) immer bei sich. Damit und aufgrund der vielfältigen Sensorik, bietet es sich für den Einsatz als Erhebungsinstrument an. Mit infas mobility möchte infas Smartphones für die Verkehrs- und Mobilitätsforschung nutzbar machen und als ein innovatives Instrument im Methodenrepertoire etablieren.

Einsatz in infas-Projekten

Bereits 2015 hat infas erste Projekte im Bereich des Smartphone-Trackings für die Verkehrsforschung durchgeführt. Im Projekt „multimo“ konnten bereits wichtige Erfahrungen gesammelt werden. Es hat sich gezeigt, dass der Einsatz von Apps die automatisierte Erfassung von Wegen und Aufenthalten über die Smartphones der Studienteilnehmer ohne deren aktives Zutun ermöglicht. Seitdem wurde das System weiterentwickelt und umfassend getestet. Inzwischen gehört es zu den leistungsstärksten Systemen und kann für umfassende Erhebungen mit hohen Qualitätsanforderungen eingesetzt werden.

Durch diesen passiven Ansatz, bei dem alle wichtigen Mobilitätsdaten von der App im Hintergrund gesammelt werden, ist der Erhebungsaufwand für die Probanden äußerst gering und es lassen sich auch lange Erhebungszeiträume realisieren. Das erlaubt differenzierte Einblicke in das Mobilitätsverhalten und die Beschreibung von Veränderungen über einen längeren Zeitraum. Über diesen Ansatz konnte vor, während und nach dem Shutdown aufgrund der Covid-19-Pandemie gezeigt werden, wie sich das Mobilitätsverhalten ändert. Dadurch konnte infas genau darstellen, in welchem Ausmaß der ÖPNV gemieden wurde, zu welchen Zeiten die Menschen unterwegs waren und wie viel Fahrrad tatsächlich gefahren wurde. Die Ergebnisse der Studie stehen zum Download bereit:

Aktuell wird die Tracking-App unter dem Namen „Mobico“ im Rahmen des Projekts „Mobicor“ eingesetzt.

Mobilität mit dem Smartphone messen

Mobilität und Verkehr mit dem Smartphone zu messen ist eine komplexe technische Herausforderung. Anders als bei Fitness-Apps müssen nicht nur Entfernungen oder die Anzahl der Schritte gemessen werden. Um das Verkehrsverhalten zu bestimmen, muss aus den Sensordaten des Smartphones auf die genutzten Verkehrsmittel geschlossen werden. Dazu kooperiert infas mit MOTIONTAG, die ihre jahrelange Erfahrung im Bereich der automatisierten Verkehrsmittelerkennung einbringen.

Nach der Installation der App, erfolgreicher Registrierung und Aktivierung sammelt die App automatisch und ohne weiteres Zutun Lokalisierungs- und Beschleunigungsdaten, verschlüsselt und komprimiert diese und überträgt sie an das Backend-System zur weiteren Analyse. Im Backend-System werden mit intelligenten Algorithmen (Machine Learning, Random Forest) und zusätzlichen Geodaten die genutzten Verkehrsmittel ermittelt.

 

Der Algorithmus kann aktuell 10 Verkehrsmittel unterscheiden, manuell können weitere 5 Verkehrsmittel ergänzt werden. Es werden diverse Wegeparameter ermittelt: Dauer, Länge, Zeitpunkt (Uhrzeit), Geschwindigkeit, Geometrie und Emissionen in CO2-Äquivalenten (auf Basis von TREMOD 5.41 errechnet). Auch die Aufenthalte werden dargestellt. Die Nutzer können so nachvollziehen, wo sie sich wie lange aufgehalten haben und diesen Orten aus einer Liste Wegezwecke bzw. Tätigkeiten zuordnen. Wird dieser Ort erneut aufgesucht, erkennt die App das und ordnet diesem Aufenthalt automatisch den Zweck bzw. die Tätigkeit zu, die vorher angegeben wurde.

Die Vorteile des passiven und digitalen Ansatzes

Durch den passiven Ansatz der Tracking-App lassen sich auch lange Erhebungszeiträume realisieren. Dabei ist die Genauigkeit der einzelnen Wegeparameter sehr hoch und objektiv, da die Angaben nicht aus der Erinnerung heraus geschätzt oder gerundet werden. Durch die kontinuierliche Verbesserung des technischen Systems spielt inzwischen der Akkuverbrauch keine besondere Rolle mehr und ist zu vernachlässigen. Dadurch kann die Nutzungsakzeptanz weiter gesteigert werden.

Aufgrund standardisierter Datenformate und auf Basis von skriptbasierten Auswertungen können Erhebungsergebnisse zeitnah nach Abschluss der Feldphase bereitgestellt werden. Gleichzeitig lassen sich die Erhebungskosten gegenüber analogen Wegetagebüchern reduzieren.

Zielgruppen und Einsatzbereiche

Der Einsatz von Smartphones zur Erhebung von Mobilitätsdaten kann vielfältig genutzt werden und ist für ein breites Zielgruppenspektrum interessant. Mit Hilfe der Tracking-Daten lassen sich eine Vielzahl unterschiedlicher Fragestellungen beantworten und wichtige Erkenntnisse zu Verkehr und Mobilität gewinnen.

Evaluation von Kunden- und Nutzergruppen

Zielgruppen:
Verkehrsunternehmen, Gebietskörperschaften, Kommunalverbände, Beratungsunternehmen, Marktforschung

Mehrwert:
Verkehrserhebungen mit lokalem Fokus, Hinweise auf Verbesserungspotential

Verkehrsforschung

Zielgruppen:
Universitäten, Forschungseinrichtungen, Ministerien und Verwaltungen

Mehrwert:
Tiefe Einblicke in Multi- und Intermodalität, hochwertige Input-Daten für Modellierungen

Betriebliches Mobilitätsmanagement

Zielgruppen:
Größere Unternehmen, Anbieter betriebliches Mobilitätsmanagement

Mehrwert:
Umsetzung nachhaltiger Mobilitätsangebote, Kostenoptimierung, Nachhaltigkeitsstrategien, individuelle Mobilitätsdaten für Beratungsleistung

Customized Lösungen

Zielgruppen:
Tourismusregionen, -verbände und -unternehmen, KEP-Dienste

Mehrwert:
Informationen zum Mobilitätsverhalten von Kunden (Touristen), Optimierung der Angebote, Erweiterung der Wertschöpfungskette

Zur infas mobico-App


Kontakt

Marc Schelewsky
Marc Schelewsky
Senior-Projektleiter
+49(0)228 3822-952

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