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Telekommunikationsmonitor: Gut jeder Zehnte ohne Festnetzanschluss im Haushalt

13 Prozent der Bevölkerung haben keinen Festnetzanschluss im Haushalt und sind nur per Handy erreichbar – Verzicht auf Festnetz häufig ökonomisch begründet – Viele ostdeutsche Männer in Einpersonenhaushalten mit geringem Einkommen unter den „mobile onlys“.

Bonn, 27.8.2010 – Rund 13 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahre verfügen nicht über einen Festnetzanschluss und sind ausschließlich per Mobiltelefon zu erreichen. Diese Gruppe unterscheidet sich deutlich von der Gesamtbevölkerung: Fast jeder Zweite (48 Prozent) lebt in einem Einpersonenhaushalt. Der Anteil der Bevölkerung, der allein lebt, liegt deutschlandweit dagegen lediglich bei 19 Prozent. 

Mit 67 Prozent ist der Anteil der Männer bei den „mobile onlys“ deutlich höher als im bundesweiten Schnitt (49 Prozent). 34 Prozent der Gruppe sind unter 30 Jahre (Gesamtdeutschland: 20 Prozent). Ein Großteil ist entsprechend seinem Alter in Voll- oder Teilzeit berufstätig. Überdurchschnittliche zwölf Prozent studieren (Gesamtbevölkerung: vier Prozent). Auffallend ist der hohe Anteil der Geringverdiener: 34 Prozent verfügen lediglich über ein monatliches Nettoeinkommen bis zu 1.000,- Euro. Von der Gesamtbevölkerung fallen nur zwölf Prozent in diese Einkommenskategorie. Ein hoher Anteil der Festnetzlosen ist in Ostdeutschland oder Berlin zu Hause. 

Entgegen üblicher Stereotype gehören die gut verdienenden jüngeren Berufstätigen, die wenig zu Hause und ständig per Smartphone erreichbar sind, nur selten zu den „mobile onlys“. Stattdessen ist die Entscheidung gegen einen lokalen Telefonanschluss primär von jungen Alleinlebenden getroffen und vor allem ökonomisch bedingt – bei knapper Kasse wird darauf verzichtet.

Das Leben ohne ein Festnetztelefon ist eine bewusste Entscheidung in einer bestimmten Lebensphase. Bei einer Verbesserung der finanziellen Situation oder dem Zusammenleben mit einem Partner wird ein Anschluss installiert. Dabei dürfte das Hauptmotiv jedoch eher der feste Internetanschluss sein, der bei den gegenwärtigen Modellen der Anbieter den Festnetzanschluss fast immer bedingt. 

Die „mobile onlys“ sind keineswegs Kommunikationsmuffel: Zwar nutzen sie beispielsweise das Internet weniger häufig als die restliche Bevölkerung – so ist von ihnen ein Drittel gar nicht online, während nur jeder fünfte Festnetzinhaber zu dieser Gruppe zählt –, doch sie sind nicht abstinent. Häufig haben sie ein Mobiltelefon mit Mail- und Internetfunktion oder greifen via Laptop auf eine UMTS-Verbindung zurück. Weil sie auf ihr Handy als Kommunikationsmittel angewiesen sind, wird von ihnen öfter ein Laufzeitvertrag statt einer Prepaidkarte gewählt. Hierfür entscheiden sich gut zwei Drittel dieser Gruppe. Für die Übrigen stellt die Wahl der Prepaidkarte einen besonders kostengünstigen Einstieg in die telefonische Erreichbarkeit dar – ohne das Telefon selber häufig zu nutzen. 

Die Ermittlung der Gruppe der „mobile onlys“ ist erst aufgrund einer methodischen Besonderheit des infas-Telekommunikationsmonitors möglich. Die Studie nutzt einen Dual-Frame-Ansatz, bei dem sowohl eine Stichprobe mit Festnetznummern als auch mit Mobilfunknummern gezogen und interviewt wurde. Die beiden Erhebungen wurden anschließend zusammengeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass telefonische Umfragen über das Festnetz eine nicht unbedeutend große Bevölkerungsgruppe ignorieren. Sie wird schlichtweg nicht erreicht. 

Über den infas-Telekommunikationsmonitor:

Der infas-Telekommunikationsmonitor ist eine repräsentative bundesweite Untersuchung in der Bevölkerung ab 16 Jahre, die gemeinsam von der infas GmbH und der infas Geodaten GmbH, beide Bonn, durchgeführt wird. Die Studie umfasst zahlreiche Aspekte des Telekommunikationsverhaltens der Bundesbürger. Themenfelder des infas-Telekommunikationsmonitors:

  • Marktanteile von Dienstleistern und Produkten im Bereich Festnetztelefonie, Mobilfunk, Internet und Fernsehen.
  • Nutzungsart und -häufigkeiten von Internet, Festnetz und Mobilfunk und Fernsehen – einschließlich entsprechender Segmentierungen.
  •  Handyausstattung kompletter Haushalte, deutschlandrepräsentativ.
  • Einstiegshürden und weitere Potentiale in den Haushalten ohne einen Internetzugang.
  • Merkmale der Personengruppe, die ganz auf einen eigenen Festnetzanschluss verzichtet.
  • Zufriedenheit mit Telekommunikationsdienstleistern.
  • Meinungen und Einstellungen zu Kommunikationsthemen, insbesondere neue Markttrends.
  • Regionale Unterschiede im Telekommunikationsverhalten (Bundesland, Stadt/Land u.a.)
  • Spezielle Themenfenster in der Pilotstudio zu den Schwerpunkten

Energie und Umwelt: Bereitschaft und Hürden zum Wechsel eines Energie-versorgers, Potentiale für umweltgerechtere Autos und die Elektromobilität. Der Telekommunikationsmonitor wird von zwei Unternehmen durchgeführt: infas führte im Mai die bundesweite telefonische Befragung bei 1.493 Personen ab 16 Jahre durch. Dabei wurde erstmalig ein Dual-Frame-Ansatz gewählt: Um die etwa 13 Prozent der Bevölkerung einzubeziehen, die nur noch mobil erreichbar sind, wurden für einen Teil der Befragung Handynummern kontaktiert. 

PDF: Pressemitteilung - Gut jeder Zehnte ohne Festnetzanschluss im Haushalt