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Usability in Autos: Nachholbedarf für die Zukunft

In Gruppendiskussionen von infas im Bereich Verkehrsforschung wurden elektronische Helfer im Auto, von ABS bis Parkasssistenten, thematisiert. In den sehr spannenden Gesprächen fiel dabei neben anderen eine recht ungewöhnliche Argumentation für solche Helfer auf.

Beispiel Fahrlichtautomatik und Regensensor: Zwar wurde der Komfort der automatischen Steuerung von Fernlicht und Scheibenwischer durchaus honoriert. Daneben sei die Automatik aber auch deshalb wichtig, „weil ich sowieso nie weiß, wo und wie Scheibenwischer und Licht eingeschaltet werden“. Ein aufwändiges Sonderzubehör als Kompensation von elementaren Usabilityfehlern? Das klingt im ersten Moment amüsant, ist für Kunden aber eigentlich ein Ärgernis.

Seit über 100 Jahren werden Autos gebaut, in Jahrzehnten hätte sich die Industrie auf Standards einigen können. Aber über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus herrscht Vielfalt. Beim einen wird gedreht, beim anderen gedrückt oder gezogen, hier wird eine Stufe nach unten dort eine Stufe nach oben geschaltet – die Schalterstellung für die neuere Automatik ist zu allem Überfluss unterschiedlich dazwischen gewürfelt.

Die Kunden wünschen Standards

In Zeiten, in denen der Autobesitz als wichtiges Statussymbol gefeiert wurde, mag die Umstellung alle paar Jahre nach dem Neukauf akzeptabel sein. Mit neuen Mobilitätskonzepten, die nicht mehr das Eigentum am Auto voraussetzen, wird das Einzelgängertum der Hersteller bei den zentralen Bedienelementen jedoch lästig. Regelmäßige Leihwagenfahrer kennen das Leid, sich regelmäßig mit neuen Licht- und Scheibenwischerschaltern, aber auch Lüftungs- und Radiosteuerungen auseinanderzusetzen. Das Ideal wäre, in jedem fremden Auto auf Anhieb und ohne Einlernphase die wesentlichen Steuerelemente zu finden und bedienen zu können.

Mit Car2Go, DriveNow, Flinkster, Stadtauto und Zebramobil potenziert sich die Zahl derer, die über unterschiedliche Bedienkonzepte in den Pkw klagen werden. Zwar ist nachvollziehbar, dass die Hersteller ihre unterschiedlichen Umsetzungen bisher als Alleinstellungsmerkmal verteidigt haben. Die neuen Rahmenbedingungen erfordern jedoch ein Umdenken.

Alte Fehler in neuen Feldern

Denn es gilt auch, alte Fehler nicht zu wiederholen. Was bereits geschieht, wenn heute Audi MMI, BMW iDrive, Ford Sync oder Mercedes Command erneut mit unterschiedlichen Konzepten um die Gunst der Kunden buhlen. Schon heute kann vermutlich kaum ein Leihwagenfahrer den Radiosender oder die Klimaanlage während der Fahrt einstellen, ohne sich vorher im Stand in das jeweilige System eingearbeitet zu haben. In Anbetracht der Komplexität heutiger Autos werden individuelle Alleinstellungsmerkmale der Hersteller auch dann noch möglich sein, wenn wesentliche Bedienelemente (weitgehend) vereinheitlicht sind.