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Lebenszufriedenheit im Ländervergleich

Was ist wichtig im Leben? Wie steht es um die Lebenszufriedenheit? Hängen die Antworten hierauf von der wirtschaftlichen Situation ab? Fragen und Analysen zu diesen Dimensionen sind Bestandteile der Hintergrundauswertungen im Religionsmonitor 2012 der Bertelsmann Stiftung, für den infas gemeinsam mit Gallup International über 14.000 Menschen in ausgewählten Ländern befragt hat.

Aus der Perspektive Teilhabe sind viele Antworten eindeutig. Länder- und kulturübergreifend stehen Familie und Freunde an erster Stelle, wenn nach der Wichtigkeit unterschiedlicher Lebensbereiche gefragt wird. In allen einbezogenen Ländern entscheiden sich etwa 90 Prozent der Befragten bei dem Stichwort „Familie“ für die höchste Wichtigkeitsstufe. Bei den „Freunden“ sind es im Schnitt 70 Prozent. Knapp dahinter liegen die berufliche Situation und wirtschaftliche Sicherheit. Erst an vierter Stelle folgt der Bereich „Freizeit“. Und mit Abstand schließlich das Thema „Politik“. Sozialer Austausch im engeren persönlichen Umfeld entscheidet also ganz wesentlich über das eigene Lebensglück.

Der empfundene Erfüllungsgrad all dieser Faktoren zusammengenommen hängt in nicht geringem Maß von der subjektiv wahrgenommenen, eigenen wirtschaftlichen Lage ab. Die Abbildung belegt für die Länder, in denen diese Indikatoren im Religionsmonitor 2012 erhoben wurden, einen relativ eindeutigen Zusammenhang: Die Länder ordnen sich fast vollständig in einer Diagonale. Dabei stehen Länder mit einer hohen mittleren Lebenszufriedenheit und einer überdurchschnittlichen Selbsteinschätzung der Befragten zu ihrer wirtschaftlichen Situation rechts oben. An der Spitze liegt die Schweiz, gefolgt von Schweden und Kanada.

Am gegenüberliegenden Ende positioniert sich Südkorea. Möglicherweise vor dem Hintergrund der Eurokrise bildet Spanien, wo sich die befragten Bürgerinnen und Bürger in der wirtschaftlichen Lage etwas schlechter einstufen, als es die geäußerte Lebenszufriedenheit erwarten ließe, einen kleinen Ausreißer. Auffällig ist natürlich auch, dass die drei großen europäischen Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien nur in der Mitte und hinter den USA und Kanada positioniert sind. Dies entspricht jedoch einem volkswirtschaftlichen Indikator, der nicht aus der Befragung stammt und durch die Kreisgrößen in der Abbildung dargestellt wird: das Bruttonationaleinkommen pro Kopf. In den aus dieser Sicht stärksten Volkswirtschaften zeigen auch die subjektiven Merkmale die höchsten Ausschläge – mit der Ausnahme von Frankreich, das in beiden gemessenen subjektiven Dimensionen niedriger liegt, als es die abgebildete Pro-Kopf-Kennzahl vermuten lässt. Ob diese mittlere Position der drei großen europäischen Zentralländer auch mit Teilhabeaspekten korreliert, werden die weiteren Auswertungen, die in diesem Projekt zurzeit noch andauern, zeigen müssen. Eine spannende Frage.

Zum Weiterlesen:

www.religionsmonitor.de

Kontakt

Robert Follmer
Bereichsleiter Mobilitäts- und Regionalforschung
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