Mobilität

Mobilitätslösungen, die auch in den nächsten Generationen noch wirken, verlangen Mut und müssen manche Widerstände überwinden. Die Flugversuche der Gebrüder Wright, der Bau von kathedralenartigen Bahnhöfen, die noch heute funktionsfähig sind, oder die berühmte erste Tour mit einer Motorkutsche von Bertha Benz sind gute Beispiele. Aber auch aktuell sind Mobilitätsinnovationen nicht immer einfach, wie der Fall der gescheiterten Straßenbahn in Wiesbaden zeigt. 

Der technische Wandel und wachsende Anforderungen durch Ressourcenmangel oder Klimaziele verlangen wieder nach nachhaltigen Mobilitätslösungen. Hier sind Automobil- und Zulieferindustrie, Anbieter des Öffentlichen Verkehrs, Verkehrsplaner und Infrastruktur-Entscheider gleichermaßen gefordert.

Tragfähige Visionen berücksichtigen dabei nicht nur das technisch machbare, sondern haben auch den handelnden Menschen als Nutzer im Blick. Die sozialwissenschaftlich geprägte infas-Mobilitätsforschung misst und analysiert Vorteile und Akzeptanz, aber auch Hemmnisse und Barrieren von innovativen Mobilitätslösungen. Damit helfen wir, zukunftsfähige Neuerungen und Weiterentwicklungen so auszugestalten, dass sie auch den Praxistest bestehen.

Wir forschen dafür zu aktuellen Themen, wie Multimodalität, Elektromobilität, automatisiertes Fahren oder Carsharing. Wir führen landesweite Grundlagenstudien zur Mobilität durch, zuletzt in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Für den Öffentlichen Verkehr messen wir regelmäßig die Fahrgastzufriedenheit, prüfen empirisch neue Tarifoptionen und Digitalisierungsstrategien.

Mobilität in Deutschland

Die Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) erfolgt im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV, damals BMVI). Die Studie wurde aufbauend auf den früheren KONTIV-Erhebungen von infas erstmals im Jahr 2002 durchgeführt und 2008 sowie 2017 wiederholt. Aktuell wird die nächste Erhebung der Mobilität in Deutschland (MiD 2023) vorbereitet.

Die MiD 2017 hat infas federführend zusammen mit einem Team weiterer Anbieter organisiert und durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 135.000 Haushalte befragt. Die Ergebnisse der MiD 2017 sind hier zu finden.

Mobilitätsstudien

Mit den Studien „Mobilität in Deutschland“, „Österreich unterwegs“ und „luxmobil“ hat infas drei Leitstudien zur landesweiten Mobilität umgesetzt. Die von den Regierungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg beauftragten Erhebungen liefern detaillierte Daten zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung und dienen damit als Grundlage für politische Entscheidungen.

Die Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) erfolgt im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV, damals BMVI). Die Studie wurde aufbauend auf den früheren KONTIV-Erhebungen von infas erstmals im Jahr 2002 durchgeführt und 2008 sowie 2017 wiederholt. Aktuell wird die nächste Erhebung der Mobilität in Deutschland (MiD 2023) vorbereitet.

Die MiD 2017 hat infas federführend zusammen mit einem Team weiterer Anbieter organisiert und durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 135.000 Haushalte befragt. Die Ergebnisse der MiD 2017 sind hier zu finden.

Die Studie „Österreich unterwegs“ ist das Äquivalent zur MiD in der Alpenrepublik und wurde 2014/2015 von infas gemeinsam mit der TRICONSULT Wirtschaftsanalytische Forschung Gesellschaft m.b.H. bearbeitet. Diese Mobilitätserhebung erfolgte im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) in Wien gemeinsam mit den österreichischen Bundesländern, der ASFiNAG und der ÖBB. Für die Untersuchung wurden rund 17.000 Haushalte befragt.

Für Luxemburg hat infas die Studie „luxmobil“ durchgeführt, für die 40.000 Luxemburger und 45.000 Grenzgänger aus Frankreich, Belgien und Deutschland kontaktiert wurden. Auftraggeber der Untersuchung war das Département des transports im Ministère du Développement durable et des Infrastructures, Luxemburg.

Alle Mobilitätsstudien basieren auf einer komplexen Kombination aus schriftlicher, telefonischer und Online-Erhebung, bei der zum einen Grundlagen und zum anderen das Mobilitätsverhalten an einem vorgegebenen Stichtag abgefragt werden. Das Ergebnis ist ein zuverlässiges Bild der Verkehrsmittelnutzung und der Motive und Einstellungen zur Mobilität im Land. Die Studien bieten zudem eine umfassende Datenbasis für die regionale Planung und Vermarktung von Verkehrsleistungen und für Hochrechnungen des Verkehrsgeschehens.

Öffentlicher Verkehr

Der Öffentliche Nahverkehr spielt für das Erreichen von Klimazielen oder die künftige Sicherstellung der Mobilität in Ballungsräumen und ländlichen Gebieten gleichermaßen eine bedeutende Rolle. Zugleich steht der ÖPNV in starkem Wettbewerb mit dem Individualverkehr und mit den neuen Mobilitätsdienstleistungen. Die Corona-Pandemie stellte öffentliche Verkehrsangebote vor eine große Herausforderung. Die Nachfrage sank deutlich, da viele Fahrgäste Angst vor Infektionen in Bus und Bahn hatten. Eine Wende leitete das 9-Euro-Ticket ein, mit dem viele Fahrgäste zurück-, aber auch neue Fahrgäste hinzugewonnen werden konnten. infas beobachtet kontinuierlich die Entwicklungen im öffentlichen Verkehr durch das MOBICOR-Projekt und schließt damit die zeitlichen Lücken, die zwischen den Erhebungen der umfassenden MiD-Erhebungen entstehen.

infas verfügt über ein umfassendes Methodenset, um spezifische Fragestellungen für Verkehrsunternehmen zu bearbeiten. Dabei ermitteln wir den Zusammenhang zwischen Kundenwahrnehmung und Unternehmenserfolg und stellen auf Wunsch sämtliche Aspekte der Kundenbeziehung auf den Prüfstand. Unsere Marktforschungsinstrumente ermöglichen detaillierte ÖV-Angebotsanalysen und die Ableitung von Handlungsempfehlungen, um Angebot auf die Kundenbedürfnisse auszurichten. Die ÖPNV-Marktforschung umfasst:

  • Studien zur Inter- und Multimodalität und die perspektivische Rolle des ÖPNV;
  • Qualitätsmanagement: Standardisierte oder individualisierte Fahrgastzufriedenheitsforschung. Wir bieten wahlweise das bundesweit vergleichbare Erhebungsinstrument TRAM oder eine spezifisch auf die jeweilige regionale Situation zugeschnittene Messung der Kundenzufriedenheit und -bindung an (auch im Rahmen von DIN EN 13816 und DIN EN 15140);
  • Qualitative Untersuchungen zur Bestandsaufnahme der Kundenkontaktpunkte durch speziell dafür entwickelte Beobachtungsverfahren;
  • Marktpotenzialanalysen von Verkehrsangeboten unter Berücksichtigung von Alternativen, Preisgefügen und Nutzer-Präferenzen;
  • Akzeptanzanalysen zur Einführung oder Überprüfung von Tarifvarianten;
  • Analysen zum Störungsmanagement, beispielsweise mittels Fahrtenbuchprotokoll, insbesondere unter Berücksichtigung der VO 1371/2007 EG;
  • Untersuchungen zum Neukunden-Einstieg in den ÖPNV mit dem Fokus auf Vertriebs- und Tarifaspekte;
  • Überprüfungen der Informationspraxis im Betriebsablauf, insbesondere mit Fokus auf die Digitalisierung;
  • Studien zur Überprüfung von Kommunikationsmaßnahmen im ÖPNV; Zielgruppenanalysen für die optimale Adressierung, Wirkungsmessungen und Konzepttests von werblicher Ansprache oder Informationssystemen (auch unter Berücksichtigung der VO 1371/2007 EG).

Durch die Unternehmensschwester infas 360 GmbH steht infas ein umfassender Bestand an Markt- und Geodaten, zur Verfügung. Für infas-Studien in der ÖPNV-Marktforschung werden bei Bedarf für übergreifende Analysen Befragungsdaten mit Geodaten, aber auch mit Kundendaten kombiniert. Dieses Vorgehen ermöglicht mikrogeografische Auswertungen zur räumlichen Verteilung von Kunden.

Neue Methoden zur Verkehrsmessung

Mobilität und Verkehr befinden sich im ständigen Wandel. Um diese Veränderungen mit Zahlen zu beschreiben, ist die kleinräumige Erfassung von Mobilitäts- und Verkehrsdaten erforderlich. infas forscht an neuen Lösungen, um diesen Herausforderungen mit innovativen Ansätzen zu begegnen und setzt diese gezielt in Projekten ein. Das Smartphone steht dabei im Mittelpunkt. Dafür setzt infas die mobico-App ein, die automatisiert und passiv das Mobilitätsverhalten misst.

Das Smartphone ist unser ständiger Alltagsbegleiter geworden. Viele alltägliche Tätigkeiten sind ohne das Smartphone kaum zu erledigen, deshalb trägt man es (fast) immer bei sich. Damit und aufgrund der vielfältigen Sensorik bietet es sich für den Einsatz als Erhebungsinstrument an. Mit der mobico-App möchte infas Smartphones für die Verkehrs- und Mobilitätsforschung nutzbar machen und als ein innovatives Instrument im Methodenrepertoire etablieren. Die mobico-App wurde für die Betriebssysteme iOS und Android umgesetzt und steht in den entsprechenden Stores als Download zur Verfügung.

Einsatz in infas-Projekten

Bereits 2015 hat infas erste Projekte im Bereich des Smartphone-Trackings für die Verkehrsforschung durchgeführt. Im Projekt „multimo“ konnten bereits wichtige Erfahrungen gesammelt werden. Es hat sich gezeigt, dass der Einsatz von Apps die automatisierte Erfassung von Wegen und Aufenthalten über die Smartphones der Studienteilnehmer ohne deren aktives Zutun ermöglicht. Seitdem wurde das System weiterentwickelt und umfassend getestet. Inzwischen gehört es zu den leistungsstärksten Systemen und kann für umfassende Erhebungen mit hohen Qualitätsanforderungen eingesetzt werden.

Seit dem Start des österreichischen KlimaTickets Ende 2021 führt infas dort die Begleitforschung durch. Dieses Projekt läuft bis 2026 und infas setzt hier eine eigene App zur passiven Fahrtenmessung ein.

Durch den passiven Ansatz, bei dem alle wichtigen Mobilitätsdaten von der App im Hintergrund gesammelt werden, ist der Erhebungsaufwand für die Probanden äußerst gering und es lassen sich auch lange Erhebungszeiträume realisieren. Das erlaubt differenzierte Einblicke in das Mobilitätsverhalten und die Beschreibung von Veränderungen über einen längeren Zeitraum. Über diesen Ansatz konnten im MOBICOR-Projekt die Veränderungen im Mobilitätsverhalten während der Covid-19-Pandemie durchgängig beobachtet werden. Es konnte dabei gezeigt werden, in welchem Ausmaß der ÖPNV gemieden wurde und wie stark der Lockdown dazu beigetragen hat, zu welchen Zeiten die Menschen unterwegs waren und wie viel Fahrrad tatsächlich gefahren wurde. Die Ergebnisse der Studie wurden regelmäßig in Berichten dokumentiert und stehen zum Download bereit.

Mobilität mit dem Smartphone messen

Mobilität und Verkehr mit dem Smartphone zu messen ist eine komplexe technische Herausforderung, da über die erhobenen Sensordaten auf die genutzten Verkehrsmittel geschlossen wird. Dabei kommen verschiedene Algorithmen zum Einsatz. infas kooperiert dazu mit MOTIONTAG, die ihre jahrelange Erfahrung im Bereich der automatisierten Verkehrsmittelerkennung einbringen.

Der Algorithmus kann aktuell 10 Verkehrsmittel unterscheiden. Jede Verkehrsmittelnutzung wird als einzelne Etappe dargestellt. Für jede erfasste Etappe sind Informationen zu Tageszeit, Dauer, Länge, Geschwindigkeit und Verlauf verfügbar. Auch die Aufenthalte werden identifiziert und können mit weiteren Rauminformationen angereichert werden.

Die Vorteile des passiven und digitalen Ansatzes

Eine wesentliche Qualität des passiven Ansatzes der Tracking-App besteht in der Möglichkeit lange Erhebungszeiträume zu realisieren, da der Erhebungsaufwand bei den Teilnehmern sehr gering ist. Zudem ist die Genauigkeit der einzelnen Wegeparameter sehr hoch und objektiv, da die Angaben nicht aus der Erinnerung heraus geschätzt oder gerundet werden. Zudem werden keine Wege vergessen. Durch die kontinuierliche Verbesserung des technischen Systems spielt inzwischen der Akkuverbrauch keine besondere Rolle mehr und ist zu vernachlässigen. Dadurch kann die Nutzungsakzeptanz weiter gesteigert werden.

Aufgrund standardisierter Datenformate und auf Basis von skriptbasierten Auswertungen können Erhebungsergebnisse zeitnah nach Abschluss der Feldphase bereitgestellt werden. Gleichzeitig lassen sich die Erhebungskosten gegenüber analogen Wegetagebüchern reduzieren.

Kombination mit anderen Erhebungsansätzen

Aktuell werden über die App keine Informationen zur Person gesammelt, es fehlen also Angaben zur Soziodemografie und auch zur Verkehrsmittelausstattung. Deshalb bietet sich an, die Erhebung per App mit anderen Methoden, z.B. Online-Erhebungen, zu kombinieren. Damit lassen sich weitere relevante Informationen zuspielen und zu einem Datensatz ergänzen, der vielseitige Einsatzzwecke besitzt. Neben Verkehrserhebungen lassen sich auch Planungsprojekte, Erfolgsmessungen oder Evaluationen von Maßnahmen in hoher Qualität realisieren.

Der Öffentliche Nahverkehr spielt für das Erreichen von Klimazielen oder die künftige Sicherstellung der Mobilität in Ballungsräumen und ländlichen Gebieten gleichermaßen eine bedeutende Rolle. Zugleich steht der ÖPNV in starkem Wettbewerb mit dem Individualverkehr und mit den neuen Mobilitätsdienstleistungen.

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