20.07.2009 | Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat infas zum Jahreswechsel 2008/2009 ca. 2.500 Unternehmen in Deutschland nach ihrem Innovationsverhalten und den Innovationshemmnissen befragt. Dabei standen regionale Bedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten der Unternehmen vor Ort im Fokus der Betrachtung. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt vom Auftraggeber veröffentlicht. Ein Fazit: "In der Wirtschaftskrise nimmt auch die Innovationsbereitschaft von Unternehmen ab. Während im Zeitraum zwischen 2005 und 2007 noch 72 Prozent der Unternehmen in Deutschland bei der Einführung von Produkt- oder Verfahrensneuerung aktiv waren, planen nur 62 Prozent der Unternehmen bis 2010 weitere Neuerungen zu entwickeln. In 14 von 16 Bundesländern werden die Aktivitäten teilweise deutlich heruntergefahren", so die Stiftung.
Die Erhebung orientierte sich an den Definitionen des Mannheimer Innovationspanels, das infas in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und dem Fraunhofer Institut (ISI) seit über 15 Jahren durchführt. Die Stichprobenziehung aus der Grundgesamtheit aller Unternehmen in Deutschland mit mehr als 10 Beschäftigten erfolgte mit Unterstützung des ZEW. Mit dem Ziel, rund 2.400 Unternehmen zu erhalten und diese nach den regionalen Bedingungen auswerten zu können, wurde eine disproportionale Verteilung zwischen den Bundesländern realisiert, so dass am Ende durchschnittlich etwa 150 Unternehmensdatensätze pro Bundesland zur Verfügung standen.
Aus der Presseerklärung der Bertelsmann-Stiftung:
"[...] Ursächlich für die rückläufigen Innovationsaktivitäten sind laut Angabe der Betriebe neben hohen Innovationskosten insbesondere die im Zuge der Wirtschaftskrise wachsenden Risiken. Lediglich in Bremen und Sachsen-Anhalt, den Ländern mit der jeweils höchsten Innovatorenquote in West- beziehungsweise Ostdeutschland, spielen diese Faktoren nur eine untergeordnete Rolle. Hier sehen die Befragten das größte Innovationshemmnis im Mangel an geeignetem Fachpersonal. Eine Bremse für innovative Aktivitäten wird von vielen Unternehmen zudem in bürokratischen Faktoren gesehen. So zählen aus Unternehmenssicht lange Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren sowie komplexe Antragsverfahren in nahezu allen Bundesländern zu den bedeutendsten Innovationshemmnissen. Defizite sehen die Unternehmen auch bei der staatlichen Fördermittelpolitik. So gaben 57 Prozent der ungeförderten Unternehmen an, dass die Förderprogramme nicht ihren Bedürfnissen entsprechen, 49 Prozent klagen über fehlende Informationen zu geeigneten Programmen, 37 Prozent über den hohen Aufwand bei der Antragstellung. Insgesamt erhalten bundesweit 15 Prozent der Betriebe öffentliche Fördermittel. Dabei beziehen in fast allen Bundesländern mehr Unternehmen Fördermittel vom Land als vom Bund, lediglich in Baden-Württemberg und Berlin überwiegt die Förderung aus Bundesmitteln. Zufrieden zeigen sich die Betriebe dagegen mit der Forschungsinfrastruktur. [...]"Der
Presseerklärung und der
Ergebnisbericht zur Studie sind auf der Website der Bertelsmann-Stiftung abrufbar. Ansprechpartner bei infas zu dieser Studie ist Senior-Projektleiterin Birgit Jesske, Mail:
b.jesske(at)infas.de.